Wochenend - Survivaltraining II
- Der Wintersturm -
Sonntag, 21.12.03 gegen 17 Uhr. Ich fahre auf der A45 Richtung Frankfurt. Es ist stürmisch, was am Wochenende los war erfahre ich als ich zuhause bin.350 000 Haushalte waren in Nordrheinwestfalen ohne Strom. Winterstürme zogen über Deutschland, Schnee, Hagel, Regen, Eis.
- Das war unser Wetter beim Wochenend-Survival-Kurs im Siegerland -
Doch der Reihe nach, am Freitag packe ich meine sieben Sachen.Ich will am Wochenende Ausrüstung testen, und dazulernen, dazulernen in Survival II Wochenendkurs.Schnell nochmal zu Aldi, und da passiert das erste Mißgeschick. Mein Autoauspuff fällt ab. Ich will ihn reparieren und lege mich langsam hinter das Auto, die letzten 10 cm lasse ich mich fallen.....Es knackt an den Rippen.
- Mist, hoffentlich war das keine Rippe -.
Nach einer Stunde ist der Auspuff repariert und ich erledige meine Einkäufe.
Samstag, 20.12.03, 6 Uhr früh, es geht los
Kurz nochmal "Kneippen" auf dem Rasen, meine Rippen schmerzen zwar noch, es ist zumindest aber nicht schlimmer geworden. Ein Kaffee, und ab ins Auto, ich plane zwei Stunden Fahrtzeit für die 185 Km, es könnte ja glatt sein.
Gegen 8:30 Uhr komme ich in Rudersdorf/NRW an.Einige Kursteilnehmer sind schon da. Ich wundere mich über die Autokennzeichen. Ein Berliner, ein Münchner und ein Schweizer. Der Schweizer heißt aber nicht Carlos sondern Jörg, ein Wahlschweizer. Internationales Publikum. Viele haben durch die N-24-Reportage über Andreas Hartmann's Survivalschule erfahren. Wir stellen uns gegenseitig vor, kurzes beschnuppern und da kommt auch Andreas, der Trainer. Wir laufen in Richtung des Übungsgeländes.
Am Gelände angekommen, hält Andreas seine Ansprache und wir stellen uns gegenseitig vor. Hier bekommen wir zum ersten Mal die Wettervorhersage auf Siegerländisch: Regen, Sturm, Hagel, Schnee und Orkanböen. Mann, da kann ich ja richtig gut Ausrüstung testen, denke ich mir nebenbei.
Diesmal im Team:
Theres und Rainer aus München.
Jörg aus der Schweiz, Heiko aus Berlin.
Guido, aus der Nähe von Guntersblum
Laszlo, aus Würzburg.
Andre aus den düsseldorfschen Niederlanden.
Andreas der Trainer
Didi der Co-Trainer und Lumpi der "Survivalhund". Didi und Lumpi kommen erst Sonntags.
Teambesprechung
Weiter gings mit feuermachen, gleiches Problem wie im ersten Kurs, zwei Streichhölzer und nasses Holz. Es klappt beim ersten Versuch, da Laszlo ein halbes Kilo Harz besorgt hat....das Feuer hatte somit keine Chance nicht anzugehen.

Dann teilen wir unser Team auf, ein Teil sucht Holz für das Feuer, die anderen bauen die Unterkunft auf. Für die Unterkunft geben wir uns besondere Mühe, bei solcher Wettervorhersage bauen wir auf Null Risiko. Wir graben die Zeltstangen in den Boden ein, verpressen Sie mit Steinen. Dazu benutzen wir einen Grabstock und einen Spaten, den allerdings das letzte mal. Der Spaten hat nicht survived....
Die Unterkunft
Ich sondere mich, nachdem die Unterkunft zur Hälfte steht, ab und baue meine Hundehütte. Ich will die Funktionsjacke einer superpreiswerten Einzelhandelskette, die in Nord- und Süd unterteilt ist :-) , testen. Weiterhin steht ein Biwaksack-, Poncho-, und Schlafsacktest an. Eigentlich ein bischen viel um zu testen, aber im Notfall denke ich mir: - Schlimmer geht immer - oder - Improvisieren statt kapitulieren -
Aus dem Poncho baue ich mir die Hundhütte, die auf dem Bild unten zu sehen ist. Darunter kommt der Schlafsack mit der Isomatte. Als ich die Hütte aufgebaut habe, beginnt es auch schon zu regnen, der Wind wird stärker....
Dackelgarage oder auch Hundehütte
Die Anderen bestaunen meine Hütte und lachen sich einen Ast. Ob die hält ? Da ertrinke ich doch bei Regen drin.....! Ich entgegne Ihnen mit der Drohung, wenn in der Nacht Ihre Unterkunft einbräche, bekämen alle acht kein Asyl bei mir. Einzig mein Rücken macht mir ein wenig Sorgen.
Und schon kommt Andreas mit dem Mittagessen. Nein, diesmal haben Sie keine Kotletts gefangen sondern Forellen. Und die müssen ausgenommen werden. Fachmännisch überprüft Andreas das Ausnehmen der Fische, was nicht schlimm ist. Schlimm ist nur das anschließende waschen der Hände im Bach, denn der ist kalt, saukalt.
Inzwischen ist das Feuer schon auf Betriebstemperatur. Heiko knetet den Teig, ich habe noch nie jemand gesehen, der solchen Spaß am Teigkneten hat... ich werde es seiner Mutter verraten. Dann backen wir Bannok, Trapperbrot, auf heißen Steinen. Wobei dieser Service nicht extra bezahlt werden muß, wie in so manchem Restaurant. Danach werden die Forellen mit frischen Tannenzweigen gebraträuchert.
Bannok links, Forellen rechts
Als Teller benutzen wir den Outdoorteller ( Aus Tannenzweigen geflochten ). Das ist die Steigerung nach der Outdoortasse.Diese Tasse stellen wir aus Kokosnüßen her, die wachsen im Siegerland, hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen.....
Nö, sollte nur eine Lektion im improvisieren sein. Andreas fragt nach einem Taschentuch, da kommt mein Vorschlag: "Nimm einen Tannenzweig!" Habe ich ja gerade gelernt, improvisieren ! Der Tannenzweig tut ja auch nur beim reinschieben weh, rausziehen ist ja in der Nadelrichtung. Gelächter.......
Kokosnüsse, zurück zu den Nüssen: Kokosnüsse haben an einem Ende drei Löcher, eines davon kann man ganz leicht öffnen und die Milch trinken. Die Schale kann nach dem Essen des Fleisches als Becher benutzt werden.
Der Outdoorteller :-)
Andre gefällt sichtlich seine Mahlzeit, er ist schon das zweite mal im Wochenendkurs dabei. Nach dem Essen suchen wir Beide weiter Feuerholz, wir benötigen Holz für die gesamte Nacht. Andre, vielleicht können wir beide ja nochmal gemeinsam raus ?
Andre
Ein weiterer Punkt ist das Feuermachen in der freien Wildbahn. Da es sehr stark regnet, verlegen wir es in die Unterkunft, hier haben wir genug Platz. Auf dem Plan steht der Feuerbogen, feuerschlagen etc. . Eine Einweisung in das Naturschutzgesetz ist Pflichtprogramm, wann darf Feuer wo gemacht werden und wann wo nicht :-)
Training in der Unterkunft
Ich bin mit Andre im Wald, Holz holen. Rainer kommt dazu, wir entscheiden uns ganze Stämme zu schleppen, da es schon dunkel wird. Rainer, der Oberbayer, schleppt wie verrückt Holz an. Hier lerne ich auch das es ein absoluter Fehler sein kann, Ober- und Niederbayern zu verwechseln. Im Lager angekommen wir der Regen stärker und der Wind frischt auf. Wir entdecken erste Mängel an der Unterkunft. Ich habe meinen Spaß, die Dackelgarage ist dicht und hält, noch...
Reparatur der Unterkunft
Nach einer Weile ist das Problem scheinbar gelöst, wir stehen am Lagerfeuer, essen Bannok und erzählen. Andreas, hält uns einen Vortrag über Orientierung bei Nacht.
- Plötzlich hören wir Schüsse -
In unserer unmittelbaren Nähe schießt jemand rote Signalmunition ab. Ich sage aus Spaß:" Rot, da braucht jemand Hilfe." Danach schießt derjenige Grün, also Entwarung. Also ein Unentschlossener ? Es folgen Heuler und Feuerwerksmunition. Da wird es Andreas zu bunt.
Andreas, der im seinem Berufsleben bei einer Öffentlichen Institution arbeitet, die sich um Ruhe, Sicherheit und Durchsetzung der Gesetzte kümmert, meint nur: "Wer kommt mit, daß schau ich mir mal genauer an?" Da kommt auch schon mein "Ja", wir gehen ans Auto und fahren zu der Stelle von der die Schüsse kamen. Der Schütze ist schon weg, wir sehen nur noch die Rücklichter. Als wir ins Lager zurückkommen erzählen uns die anderen, daß ein Auto mit durchdrehenden Reifen wegfuhr, als wir den Geländewagen anließen.
Wahrscheinlich waren es nur Jugendliche, die die Silvesterknallerei an einem entlegenen Ort ausprobieren wollten. Letztendlich ist es aber verboten und es ist auch absoluter Blödsinn mit dem rumballern, die sollen das Geld lieber Spenden. Die Laune lassen wir uns nicht vermiesen, am Lagerfeuer werden Erfahrungen ausgetauscht und weitere Geschichten erzählt. Lagerfeuerromantik eben. Wir stehen mittlerweile schon mehrere Stunden im Regen. Aber wie gesagt, selbst "Im Regen stehen" kann man trainieren.
Lagerfeuerromantik im Wind
Gegen 22 Uhr verziehen wir uns in die Schlafsäcke. Der Wind schaukelt sich langsam zum Sturm hoch. Da bekomme ich auch schon meine Belohnung, der Poncho ist nicht dicht, alles ist naß, ich habe noch acht Stunden Nacht vor mir. Die Nacht kann super ungemütlich werden, wenn man bei 5 Grad Celsius im naßen Schlafsack liegt. Das Problem ist, daß ich auch den Schlafsack noch nicht getestet habe. Aber dazu bin ich numal hier.....Im Ajungilak, dem Schlafsack, eingekuschelt werde ich nach einer Stunde wieder wach. Der Sturm brüllt durch den Wald, die Bäume krächzen, mir wird der nasse Poncho ins Gesicht geschlagen. Beim überprüfen meiner Ausrüstung stelle ich fest, daß das Einzige was noch trocken und dicht ist, das Innere des Schlafsackes ist. Kurzerhand entschließe ich mich, den Biwacksack vom Schlafsack abzuziehen und Ihn als zweite Decke über mir einzubauen. Es sind noch 7 Stunden, da kommt die Frage: " Was mache ich den hier ?". Tja, liebe Ultraläufer, eins habe ich hier gelernt, die Frage kommt nich nur beim Ultralauf auf.
Ich werde nochmals durch eine Kombination von Sturm und Regenschauer geweckt. 23:59 Uhr, Mann, die Nacht geht wohl nie vorbei. Ich schlafe tief und fest weiter, werde wieder wach. Ich schaue auf die Uhr: 23:59 Uhr. Was ist denn jetzt los? Kann doch gar nicht sein. Nach einer Kontrolle stelle ich fest, daß die 24-Stunden-Countdown Funktion auf 23:59 Stunden stehen geblieben ist. Es ist kalt, daß kommt davon, daß wirklich nur noch das Innere des Schlafsackes trocken ist. Als ich meinen Rucksack sehe, stelle ich fest, daß er gefroren ist. Auch meine Isomatte und "Biwacküberdachung" ist gefroren.
- Geil, gleich mal fotografieren, so muß das sein - .
Mittlerweile habe ich auf die Uhr geschaut und festgestellt das es 6:06 Uhr in der Früh ist. Ups, die Nacht ist rum.....und es war doch recht gemütlich, so im Nachinein. Jetzt ein indianisches Schwitztipi, ob wir es heute bauen ?