- Die kürzeste Querung Deutschlands -
Ein Lauf von Husum nach Schleswig, von der Nordseeküste zur Ostseeküste
Die Idee hatte ich vor zwei Jahren, ich wußte nicht ob Kiel an der Nord- oder an der Ostsee liegt. Als ich mir dann die Landkarte anschaute, realisierte ich, daß zwischen Husum und Schleswig eine "Ultralaufverbindung" besteht. Diese ist ca. 45 km lang. Ich wählte Schleswig als Ziel, da hier eine Direktverbindung zur Ostsee durch die Schlei besteht. Die Schlei ist eine Förde, genau wie Eckernförde. Außerdem festigt sich so das Gelernte über Kiel und das Nord-Ostsee-Problem.
Letztendlich brachte ein Ultraläuferwochenende die Umsetzung.
Angela und Edgar steckten mich mit dem Virus wieder an, als wir einen Tag zusammen verbrachten. Ein typischer Ultraläufer-Tag, 15 km Laufen danach ein Video über einen Survivalkurs den ich kurz danach besuchte. Dann das Video des Marathon des Sables von den Beiden, den Sie 2003 finishten. Am Schluss die Diskussion um einige meiner Projekte und schließlich noch Palaver über den Yukon Arctic Ultra, an dem die Beiden im Februar 2004 teilnehmen.
Am 20.02.04, also in einer Woche, werde ich Jörg Engel (www.sololauf.de) bei seinem 24-Stunden-Solo-Spendenultramarathon supporten. Daher sehe ich bei meinem Nord-Ostsee-Lauf vom Tempomachen ab, ich will kein "open window" öffnen, so das ich am 20.02.04 zu 100 % fit bin. Es ist dann für mich keine Ausdauerleistung in 24 Stunden 200 Km Rad zu fahren, sondern lediglich ein Schmerzunempfindlichkeitstraining für meinen Hintern.
Wie sehr sich das Problem verschärfen würde ahnte ich nach dem Abschluß des Nord-Ostsee-Laufs.
Freitag der Dreizehnte, Anreistag.
Ich habe noch eine Mail von Uli Schulte beantwortet, der Interesse bekundet hat mich auf einen Teil der Strecke zu begleiten. Danach fahren Katrin und ich um 11 Uhr in Bingen los, nachdem wir in Leonardos Caffeebar ausgiebig gefrühstückt haben. Die Sonne scheint, es wird bestimmt einen schönen Tag geben. Wir haben 720 Kilometer Autobahn vor uns.
Die 720 km laufen wie am Schnürchen, am Harz entweichen wir knapp Schnee- und Glätteproblemen. Wir erreichen Husum nach sechs Stunden Fahrt um 17 Uhr. In Husum-Centrum angekommen, fragen wir nach der Jugendherberge. Erst beim vierten angesprochenen Passanten bekommen wir einen original Husumer - der Rest waren alles Touris. So erreichen wir die Jugendherberge.
Abends stelle ich noch meine Ausrüstung für den nächsten Tag zusammen. Ich laufe mit einem Ein-Liter-Trinkrucksack in dem sich eine Regenjacke, die Digitalkamera, das Handy und ein Müsliriegel befinden. Der Rucksack wiegt ca. 2,5 kg. Mit Katrin stelle ich nochmals den genauen Streckenplan auf, der allerdings nicht sehr kompliziert ist. 37 km an der B 201 entlang und den Rest durchwurschteln. Der erste Verpflegungspunkt soll bei km 27 oder 28 in Silberstedt sein. Somit laufe ich 30 km unsupportet, was aber absolut kein Problem darstellt. Nach einem ausgiebigem Abendessen gehts ins Bett. Wir fühlen uns wie Könige, da wir die einzigen Gäste der gesamten DJH sind.
Schleswig-Holstein, das Land der Horizonte. - Mit diesen Gedanken schlafe ich ein -
Samstag der 14.02.04, der Lauftag.
Um 7.30 klingelt der Wecker - ich bin topfit. Wir frühstücken um 8 Uhr. Es sind ca. sieben Grad und es ist sehr nebelig. Nach dem Frühstück gehen wir beide aufs Zimmer, ich ziehe mich an und treffe die letzten Vorbereitungen. Uli ruft an, und klärt einen Irrtum auf: Er dachte ich würde ganz Deutschland durchqueren! Und das in einer Woche!! Wir lachen herzlich und Uli teilt mir mit, daß er leider verhindert ist. Es war sehr schön mit Ihm unmittelbar vor dem Lauf zu sprechen. Er bestätigt mir die tolle Idee, danke Uli!
Katrin fährt mich an den Husumer Nordstrand - direkt an die Nordsee -

Da war doch was, genau, daß Land der Horizonte....... :-)
Morgens meine Hand in die Nordsee halten, abends in die Ostsee. So stellte ich mir den Verlauf vor, allerdings war die Nordsee morgens, nachdem ich das Ufer trotz Nebels gefunden habe, weg. Eine Pfütze mit Nordseewasser reicht auch, ich will ja nicht anspruchsvoll sein......Um 9 Uhr beginne ich meinen Lauf. Schleswig-Holstein, Land der Horizonte wabert (wie der Nebel vor dem Kopf) mir durch den Kopf, ich muß schmunzeln. Hier sehen Sie Husum, genauer gesagt vom Hafen aus.

Gemütlich durchquere ich die Husumer Innenstadt. Die ein typisches samstagsmorgen Bild darstellt. Leute beim einkaufen, in aller Ruhe. An der Kirche laufe ich Richtung Schleswiger Chaussee.

Als ich das Fahrradwegschild erkenne, wird es Zeit die Bob Dylan MiniDisc aufzulegen. Ich komme langsam in meinen Trott, verlasse Husum und fotographiere den atemberaubenden Horizont, im Land der Horizonte, mit Bob Dylan im Ohr.

Und jetzt liebe Leser wir es wieder abgehackt, da ich mit Bob und dem Nebel alleine bin. Nach 11 km erreiche ich Schwesing, kurzes verlaufen, nach 18 km Oster-Ohrstedt, nach 25 km Treia. In Treia kaufe ich mir Wasser zum nachfüllen, es sind ca. 7 Grad und es ist........nebelig. Gute Weiterfahrt wird mir gewünscht !? Weiter geht´s nach Silberstedt, hier treffe ich Katrin und nehme Wasser auf.
Nach Silberstedt wird es lustig - der Mann mit dem Hammer kommt!
So schlimm wars noch nie. Treffsicher bei km 31 geht´s los. Ich werde unruhig, unsicher, das ohrenbetäubende, aggressive Vorbeirauschen der Autos gibt mir den Rest. Ich denke an aufhören. Der Puls ist bei 150 - das ist eigentlich ungewöhnlich, da ich die ganze Zeit 130 hatte. Ich steigere mich in die Pulsanzeige hinein.
Contenance, Wolfgang! Contenance!
Ich verfalle ins gehen und denke mir, daß das doch nicht wahr sein kann. Als ich meinen Zustand analysiere stelle ich fest, daß ich a) den Rucksack trage b) noch eine harte Trainingseinheit in der Woche vorher hatte und c) das es noch Frühjahr ist. Alle möglichen Gedanken schießen mir durch den Kopf.
Nach 10 langen Minuten kehrt langsam Ruhe ein. Es sind die Folgen eines Trainingsrückstandes. Ich gehe weiter und sammle mich, baue mich wieder auf und verfalle in einen langsamen Laufschritt ohne Pulsmesser. Den habe ich entsorgt....Ich laufe jetzt in einem Bereich in dem ich mich gut fühle. Durchlaufe Schuby und treffe in Hüsby bei km 38 Katrin. Wir besprechen kurz den Weg und weiter gehts Richtung Schleswig. Die letzten 8 km sind hügelig. In Hüsby-Brücke überquere ich die Autobahn und komme langsam aber sicher in Schleswig an. Nochmal Berg!
Als Ziel habe ich mir den Wikinger-Turm ausgesucht. Die Etappe soll an einem historischen Punkt beendet werden, noch einmal frage ich nach dem Weg, da ich Katrin verloren habe.
Dann stehe ich vor dem Wikingerturm, genauer gesagt, schön blöd..........

Es ist ein ca. 15 stöckiger-Wohnturm, grau in grau. Man, denke ich mir, waren die Wikinger damals fortschrittlich. Macht nix. Jetzt will ich mir nur noch die Hände im Ostseewasser waschen.
Doch das wird zu einem ernsten Problem.
Ich müßte mich auf einen Holzsteg legen und nach unten recken, dann könnte es gerade so klappen. Natürlich habe ich nichts zum Festhalten. Ich sehe mich schon im Wasser liegen, und die Schlagzeile in der Bildzeitung....
Also entere ich das Gelände eines privaten Yacht-Clubs und siehe da, es klappt. Auf dem Steg liegend, mit einer Hand im Wasser werde ich erwischt.
Sofort werde ich angesprochen ob man mir helfen kann!
Was soll ich nur auf diese Frage antworten?!
Ich erzähle dem Mann meine Geschichte und er sieht wirklich so aus als wolle er mir helfen, wenn er nur könnte. Ich habe mein Ziel erreicht, - Ende -.
Deutschlands kürzeste Durchquerung ist geschafft!
Nach 4 Stunden und 50 Minuten drücke ich meine Stoppuhr. Mal wieder schneller als geplant, aber egal. Die Rückreise mit dem Auto nach Husum ist ein leichtes dahinschweben.
Doch leider stellt sich schon während der Fahrt heraus, daß ich mir ein Mitbringsel eingefangen habe - ein Parasit-.
Kein Wölfchen, einen Wolf! Und der wird am Freitag, wenn ich Jörg unterstütze bestimmt heulen, wie ein ganzes Rudel. Aber wie sagt Katrin immer: Jammer nicht, Du willst es ja so. Und so ist es auch, in sechs Tagen kommt die nächste Aktion......und der nächste Bericht.
Ich habe mit Andreas Hartmann (www.survival-abenteuer.de) abgesprochen, diesen Lauf den Kindern und Eltern des Kinderhospiz Balthasar (www.kinderhospiz-balthasar.de ) zu widmen. Nun, da Spendenaufrufe nicht immer fruchten, habe ich eine andere Idee.
Ich bitte die Leser dieser Reportage, sofern Sie eine Homepage haben, die Internetadresse des Kinderhospizes zu verlinken.
Damit sammelt man zwar nicht unbedingt Geld, aber das Thema wird öffentlicher gemacht und einem größeren Publikum zugeführt.Somit kann man auch helfen. Danke!
Weitere Fotos, die aber interessanter sind, stelle ich in den nächsten Tagen online.
Copyright Wolfgang Gräf,16.02.04