Le Donon , höchster Berg der mittleren Vogesen
Die Umsetzung der am „Etang Du Stock“ eingefallenen Idee folgt zwei Wochen später. Ich entschließe mich, den „Le Donon“ für mich zu entdecken. Die Vorbereitung ist spärlich, da ich mich um meine neu gegründete Firma bemühe. Fürs Erste will ich auf der D44 auf den Donon, die Straße ist in der Autokarte für Lothringen als sehenswert gekennzeichnet. Wanderkarten sind passe, ich laufe nach Autostraßenkarte. In Abreschviller halten wir vor einem Hotel an, ich packe meinen Laufrucksack aus. Die Tour ist unsupportet, ich nehme keinen Support von außen an. Im Gepäck befinden sich 2 Liter Wasser, eine Regenweste, Handy, Geldbörse, Ersatzbatterien und die Digitalkamera. Alles in allem ca. 4 kg.
Mit Katrin bespreche ich, daß Sie mich oben am Donon erwarten soll. Schief gehen kann nicht viel.
Ich starte in Abreschviller und laufe die D44 Richtung „Col Du Donon“. Entlang der Straße begleitet mich die „La Sarre Rouge Riviere“. Doch dazu später mehr. Die ersten Kilometer geht es nur spärlich nach oben.
Ich folge neben der Straße einem kleinen Bach, nett sieht es aus. Das Wetter ist sehr gut, sonnig, warm, ideal. Der Autoverkehr ist mäßig, ich hatte mehr vermutet, da der Donon zum meistbesuchten Berg der Vogesen gehört. Ich kann leider nicht in meinen Trott verfallen, da ich mich auf den Verkehr konzentriere.Es kommen zwar nur alle paar Minuten Autos und vor allem Motorräder vorbei, aber die engen, unübersichtlichen Kurven machen es schwerer. Ich muß mich ständig auf den Verkehr konzentrieren, Straßenseiten wechseln um nicht eine der engen Kurven übersehen zu werden.
Nach ca. zwei Stunden , überrascht mich ein „vogesischer Platzregen“, richtig kalt und heftig. Ich warte immer noch darauf, daß Katrin mich mit dem Auto überholt. Wir haben den gleichen Weg zum Gipfel. Komisch, daß Sie noch nicht da ist. Der Regen wird immer stärker, ich entschließe mich in einer Kurve die Regenweste anzuziehen.
Plötzlich fährt ein Auto um die Kurve und hupt, ich, mit dem Rücken zur Fahrbahn erschrecke mich total und denke: „Was für ein go*X‘:* A*‘;:_:;M !!!“ Ups, daß war ja meine zukünfige Frau. Wir verloben uns nämlich heute, aber das folgt später.
Der Regen wird heftiger, es wird kalt, der Wind bläst. Um mich herum sehe ich Bergrücken die von den letzten Winterstürmen kahlgefegt wurden. Hier am höchsten Berg der Mittleren Vogesen herrschen bestimmt Etremwetterlagen.
Ich komme höher, hier denke ich auch an die „Tour de France“ , die 2001 und 2002 über den Donon, genauer gesagt, den Paß „Col du Donon“ verlief. Für Rennradinteressierte, die Strecke ist Kategorie 2 und wird als Bergwertung bei der Tour geführt. Zitat aus einem Pressetext vom 12.7.2001:“ Der Col du Donon könnte sich für einige Profis als dicker Brocken erweisen.“
Der Regen läßt nach, ich laufe weiter bergan, laut GPS dürften es nur noch 5 Kilometer sein. Am Straßenrand entdecke ich plötzlich das Schild „Saarquelle“, wow , daß wußte ich nicht. Nun habe ich neben der Nahe-, Dill-, Selzquelle nun auch die Saarquelle mir erlaufen. Prompt wird das Ereignis mit einem weiteren heftigen Regen gefeiert, ich bin nun klitschnaß.
Ich laufe weiter monoton bergan, ab und zu ein paar Fotos, als ich mitten im Schauer eine Schutzhütte sehe. Da kommt mir in den Sinn, wie einfach es wäre dem täglichen Streß zu entfliehen, wenn man sich vor Ihm schützen könne wie vor Regen. Einfach in eine Hütte gehen und warten. Das wäre aber passiv, ich fühle mich im Unwetter wohl, ich komme mir dann einfach richtig platziert vor. Irgendwie fühlte ich mich da in meinem Element, frei.
Mit einem Unwetter werde ich später noch „belohnt“
Weiter hoch, ich schlängele mich auf Serpentinen immer höher, der Ausblick wird immer weiter und schöner. Ich laufe durch Nebelwald, Nebelschwaden fast wie in einem verzauberten Märchenwald.
Leider kann ich diese Stimmung nicht mit der Kamera einfangen, da ich nur noch die Eine habe. Meine zweite Kamera ist dem „Einfangen von Stimmungen“ zum Opfer gefallen. Ein Kamerasponsor, daß wärs !, schiesst mir in den Sinn.
An einer Paßhöhe angetroffen, lese ich die Gedenktafel von Soldaten die hier im zweiten Weltkrieg gefallen sind.
Die Koordinaten des Punktes sind:t,dms,48 31' 55.34443'',07 10' 17.08145'',05.02.2004,12:47:21,811.9707.Aus dem Log erkennt man auch Datum, Uhrzeit und Höhe.
Ich treffe Katrin, die mittlerweile auf dem Parkplatz steht und sage Ihr das Sie unterhalb des Donon warten soll. Kurz bergab, eine wunderschöne Aussicht genießend laufe ich Richtung Le Donon, hier im Bild.
Am Wegesrand erkenne ich Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg. Hier in den Vogesen wird man oft an des Todes reicher Kriegsbeute erinnert. Überall Friedhöfe gefallener Soldaten, die auf den Landkarten mit der jeweiligen Nationalität gekennzeichnet sind. Mahnmale gegen den Krieg, tausende Grabsteine.
Ich laufe auf eine Kreuzung zu, als das Gewitter wieder heftig einsetzt. Donner und Regen.
Nach ca. 20 Minuten erreiche ich den Parkplatz auf dem Katrin wartet, wir befinden uns auf dem Col Du Donon, der Paßstraße.
Das Gewitter wird stärker, abbrechen ?
Ich entscheide mich auf den Gipfel zu laufen, mittlerweile habe ich voll abgeschaltet. Ich konzentriere mich nur noch auf den Pfad und das Gewitter. Ich lasse mich von Instinkten leiten.
Ein schneller Rückzug ? ...wird ein langsamer werden, es ist glatt und rutschig.
Weiter, weiter, hoch !
Das Gewitter verstärkt sich, hängt aber wohl in der Nähe fest.
Weiter, weiter, hoch !
Ich konzentriere mich nur noch auf den Weg und das Gewitter. Körperliche Anstrengung fühle ich nicht mehr.
Das Wetter ist schwer einzuschätzen, vor allem in den Vogesen, wie mir später mitgeteilt wird.
Der Donner wird lauter, die Wolken sind pechschwarz, es knistert elektrisch, Platzregen.
Meine Instinkte schlagen Alarm:
ABBRUCH, SICHERHEIT geht vor. Runter vom exponierten Gipfelgelände. Es wird zu GEFÄHRLICH.
Die VERANTWORTUNG verlangt es. Das Verhältnis RISIKO zu ERLEBNIS ist untragbar geworden.
Die Daten des Point of Return:t,dms,48 30' 39.02378'',07 09' 49.81304'',05.02.2004,13:27:32,919.1577,0
Auf 919 Meter, 90 Höhenmeter vorm Gipfel, drehe ich nach 21 Kilometer Berglauf um, ich breche die Laufexpedition ab !
Das tempelähnliche Gebäude, daß früher als Museum diente werde ich nicht sehen, auch nicht die grandiose Sicht bis in die Berner Alpen, die Steinzeugen aus der Vergangenheit, heute nicht.
Ich laufe bergab, zu Katrin und ärgere mich nicht, SICHERHEIT und VERANTWORTUNG gehen vor.
Nach 23 km und ca. 900 Hm und 3 Stunden laufen erreiche ich Katrin auf dem Parkplatz , Sie ist froh mich zu sehen, ich auch.

Es regnet sich deftig ein, wir fahren Richtung „Etang Du Stock“ um unsere Verlobung zu vollziehen.
Am Etang ist das Wetter aufgeklart, richtig schön. Wir laufen am See unsere 2,2 Kilometer, dann ist der „Point of no Return“ erreicht.
Verlobung !
Ich kann es mir nicht nehmen lassen einen GPS-Waypoint zu setzten, so haben wir die GPS-Kordinaten unserer Verlobung, die Kilometerangabe für den Virtu-Tel und somit auch die virtuelle Kirche erreicht. Leider können wir Pastor Uli Schultes Rede nicht hören. Dazu finden Sie hier mehr: Steppenhahn
Katrin und Ich reden, genießen die Aussicht und sind verliebt, der Rest ist privat :-)
Um zwei Erfahrungen reicher steige ich ins Auto:
Ich habe die richtige Frau fürs Leben gefunden
Für meine Laufexpeditionen die wichtige Erkenntnis:
Ich ordne das Ziel der Sicherheit unter, bedingungslos.
Donon wir sehen uns wieder, auf dem GR 5
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